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 Die Welt zieht an uns vorbei...

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Meridan
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BeitragThema: Die Welt zieht an uns vorbei...   Fr Aug 20, 2010 10:19 am

Die heutige Kolumne ist gleich in doppelter Hinsicht etwas besonderes. Zum einen verfüge ich nun über einige Texte, um darauf zurückgreifen zu können ("Sicher erinnert Ihr Euch an...") und zum anderen, das ist der eigentlich wichtige Teil, widmet sie sich einem aktuellen politischen Ereignis.
Ich muss zugeben, dass ich gestern erschüttert war, wie so etwas an mir vorüberziehen konnte, ohne dass ich es registrierte. Eine Freundin erzählte mir, dass sie überlege für die Flut in Pakistan zu spenden. Meine erste Reaktion war: "Welche Flut?". Auf ihren Hinweis hin, dass dies seit drei Wochen durch die Nachrichten gehe, war ich irgendwie geschockt. Es war komplett an mir vorbeigerauscht. Da leben wir schon im Computerzeitalter, in dem Informationen für jeden jede Zeit verfügbar sind und mir passiert so etwas. Und das obwohl ich durchaus Nachrichten-Newsletter abonniert habe. Gut, vielleicht sollte ich sie auch mal lesen, aber beim Überfliegen so etwas zu verpassen? Zumal ich mich kurz darauf über die Katastrophe informierte und sie durchaus große Dimensionen annahm. Ich unterhielt mich kurz mit der Freundin über das Thema und sie erzählte mir, wie gering die Spendenbereitschaft war. Ich muss auch zugeben, dass ich schon öfter spenden wollte, aber es nie dazu kam, ob aus Geiz oder Bequemlichkeit (ist schon ein riesen Aufwand so ne Überweisung) kann ich nicht nachvollziehen, aber gestern packte mich dann der Eifer und wir beschlossen, beide zu spenden. Nachdem ich letzte Woche so darüber gewettert hatte, für welchen Konsumwahn wir, mich nicht ausgeschlossen, Unmengen an Geld hinauswerfen, dürften uns Spenden für eine gute Sache nicht schwerfallen.
Doch ganz so einfach ist es leider nicht. Nachdem ich mich mit noch mehr Leuten darüber unterhalten hatte, kamen sie, die üblichen Ausreden: "Wer weiß, wo das Geld landet.", "Das stecken sich doch eh nur die Reichen in die Tasche", "Ach, man könnte ständig für etwas anderes spenden", "Es gibt doch auch genug Leute in Deutschland, denen es dreckig geht" und so weiter. Hinter vielen dieser Sätze, die ich jetzt einfach mal als Ausflüchte deklariert habe, stecken vielleicht sogar ernste Überzeugungen. Und dennoch, wenn man sich genügend informiert, findet man eine Hilfsorganisation, die direkt vor Ort ist und die nicht nur das Geld weiterleitet. Damit sind schon mal die ersten beiden Sprüche entkräftet. Bei dem dritten Spruch muss ich ehrlich gesagt an meine Kolumne der letzten Woche denken. Sicher, man könnte ständig für etwas anderes spenden, ständig passiert irgendwo auf der Welt irgendetwas Schreckliches, aber andererseits gibt man ja auch ständig Geld für irgendetwas aus. Kino ist ja auch bei den meisten nicht nur einmal im Jahr sondern mehrfach. Wie viele Leute kaufen sich regelmäßig neue Klamotten, Schuhe, Spiele, DVDs oder andere Dinge, die oftmals die meiste Zeit nur rumstehen und kaum genutzt werden. Wäre es da wirklich so schlimm, ein oder zweimal im Jahr die 10€ zu nehmen und sie zu spenden? Ich dachte wirklich lange darüber nach und beschloss, wenn ich bereit bin, mal eben 10€ für ein sinnloses Facebook-Spiel auszugeben, dann ist es fast schon eine moralische Verpflichtung auch 10€ für Menschen zu spenden, die überhaupt nichts mehr haben. Deren Leben im wahrsten Sinne des Wortes weggespült wurde.
Wenn wir wirklich mal darüber nachdenken, für was alles wir Geld verschleudern, dann wird uns immer deutlicher, wofür wir es wirklich verwenden könnten. So ging es zumindest mir. Es hat meines Erachtens auch etwas mit Hilfsbereitschaft zu tun. Ein Thema, über das wir erst kürzlich hier im Forum diskutierten, mit teils sehr interessanten Ergebnissen. (Wer es nachlesen oder mitdiskutieren möcht: http://cafe-voltaire.4rumer.com/philosophisches-f2/was-ist-hilfsbereitschaft-t97.htm ) Wann habt Ihr das letzte Mal jemandem geholfen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten? Wann habt Ihr das letzte Mal jemandem geholfen, mit dem Ihr nicht befreundet wart, oder den Ihr nicht kanntet. Überspitzt gefragt, wann habt Ihr zuletzt einer alten Dame über die Straße geholfen? Ich für meinen Teil kann mich nicht wirklich daran erinnern.
Ich möchte hier keinen Moralapostel spielen, Ihr seht, ich bin selbst nicht besser. Aber ich denke man muss auch mal über sein Verhalten nachdenken können und daher bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es mir momentan nicht schlecht geht und ich ein paar Euro locker verkraften kann. Damit wäre ich beim letzten der oben genannten Sprüche angelangt. Sicher gibt es genug im eigenen Land, was im argen liegt, wofür wir Geld bräuchten. Jedoch denke ich, ist es ein Unterschied, ob man im eigenen Land, das für die Durchführung diverser Projekt Milliarden braucht und auch verschwendet, 10€ spendet, die niemandem wirklich nutzen, weil es hier eben sehr wenig ist, oder ob man in einem ärmeren Land 10€ spendet, die dort wirklich etwas bewirken können. Und mal ganz ehrlich, wer würde denn in Deutschland einem Spendenaufruf für die armen Kranken- oder Rentenkassen folgen, hätte hier jemand Lust, für die armen Banken zu spenden, die kurz vor der Pleite stehen? Sicher gibt es auch in Deutschland vieles, wofür es sich zu spenden lohnt, aber man kann eben mit weniger wo anders mehr bewirken. Ich denke hier kommt es sehr stark auf die Perspektive an. Uns geht es hier in Europa und speziell auch in Deutschland, verglichen mit vielen anderen Ländern der Welt, sehr gut. Wir haben stabile politische Verhältnisse und bleiben von sehr vielen Umweltkatastrophen verschont. Und gerade diejenigen, mich eingeschlossen, die dem Konsumwahn anheimfallen und keine Probleme damit haben Geld für sinnloses Zeug auszugeben, könnten wie ich ja auch mal darüber nachdenken, ob sie ihr Geld nicht sinnvoller einsetzen können. Ich möchte hier bestimmt niemandem zum Spenden überreden, das liegt nicht in meiner Absicht, aber ein wenig Gedanken machen kostet noch nichts und vielleicht verkneift sich ja jetzt der ein oder andere die nächste DVD und spendet die 10€ lieber.
Und wenn es nur einen Menschen rettet, ist das mehr Wert, als eine DVD, die im Regal steht.
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BeitragThema: Re: Die Welt zieht an uns vorbei...   Fr Aug 20, 2010 1:25 pm

Einige Fragen die du da stellst. Aber die sind wirklich gut.
Das letzte mal wem geholfen, den ich nicht kannte, war am 29.07. diesen Jahres: Da ist jemand am Bahnhof umgekippt und ich hab direkt geholfen. Und für Pakistan gespendet hab ich auch schon. Aber gut, dass du dich auch damit beschäftigst. =)
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Meridan
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BeitragThema: Re: Die Welt zieht an uns vorbei...   Fr Aug 20, 2010 1:29 pm

Naja, so ne Unterhaltung kann schon nachdenklich machen.
Aber sehr cool, dass du gespendet hast, also unabhängig hiervon, ich find sowas generell sehr gut.
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Meridan
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BeitragThema: Re: Die Welt zieht an uns vorbei...   Sa Aug 21, 2010 12:16 pm

Achja... den "Like" Button nicht vergessen ^^
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