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 Braune Augen

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Meridan
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BeitragThema: Braune Augen   Do Jan 15, 2009 7:53 pm

Braune Augen

©️ bei Mike Müller
Geschrieben 2005
Zuletzt verändert am: 21.01.2005
Fertiggestellt am: 06.11.2008
Überarbeitungen: 2


Marc zwängte sich durch die Menge, die den Bürgersteig der großen Bleiche füllten. An einem Sommertag wie diesem war anscheinend alles unterwegs, was Beine hatte. Doch auch viele Studenten und, für Marc wichtiger, Studentinnen waren durch die Mainzer Innenstadt unterwegs. Er ließ seinen Blick etwas schweifen, um ja nicht eine der vorbeigehenden zu verpassen. Marc hatte vor, zunächst in einem nahegelegenen Antiquariat zu stöbern und sich dann in seine Bude aufzumachen. Doch allmählich verlor er aufgrund der vollgestopften Straßen die Lust auf einen Einkaufsbummel. Gerade als er den Entschluss gefasst hatte, nicht einkaufen zu gehen und an einer Ampel stand, auf deren Grünzeichen er wartete, sah er sie.

Soviel er später darüber nachdachte, er wusste nicht, was ihn seit dem ersten Augenblick an ihr fasziniert hatte. Sie war groß, schlank und blond und war somit genau sein Typ. Marc drängte sich durch die Massen, um neben ihr zum Stehen zu kommen. Er schielte ihr ins
Gesicht, erschrak jedoch, als er die Tränen auf ihrer Wange sah. Sie machte einen ernsthaften und entschlossenen Eindruck. Wozu entschlossen merkte er erst, als sie einen Schritt nach vorne tat, in Richtung des vorbeifahrenden Busses.

„Tu´s nicht!“, rief er und hielt sie mit der Hand an der Schulter fest. Der Bus war vorbei, doch sie drängt noch immer auf die Fahrbahn, als Marc die zweite hand zur Hilfe nahm und sie zu sich zog.
„Was auch immer es ist. Es ist es nicht Wert!“, sagte er ihr ins Ohr.
„Wieso hast du das getan? Du hättest ...“, sie verstummte und setzte eine verärgerte Miene auf.
„Du wolltest dich wirklich umbringen? Warum?“
„Das geht dich wohl wirklich nichts an“, antwortete sie schnippisch.
„Ach egal, ich brauch auf den Schrecken erst mal ´nen Kaffee. Kommst du mit? Ich lad dich ein!“, Marc machte eine einladende Geste und ohne ein Wort zu sagen, folgte ihm die Fremde ins nächstbeste Straßencafé. Dort angekommen bestellte der Student sich und seiner neuen Freundin erst mal einen Kaffee.

„Wie heißt du? Ich will ja wenigstens wissen, wen ich da gerettet hab“, fragte Marc unter Aufbringung seines ganzen Charmes.
„Janette!“, antwortete sie schnell – zu schnell.
„Ich heiße Marc“, entgegnete er, obwohl er wusste, dass sie ihm nicht ihren richtigen Namen genannte hatte.
„Also gut“, fuhr er fort, „mich interessiert eigentlich gar nicht, warum du das tun wolltest, aber das wäre doch keine Lösung gewesen.“
„Für mich schon!“, fuhr sie ihn an. „Du hast ja keine Ahnung, was ich durchgemacht hab.“
„Die hab ich in der Tat nicht, aber du könntest es mir erzählen“, entgegnete er ruhig und als wäre dies ein Auslöser gewesen, fing sie an, ihm ihr Herz auszuschütten. Drei Kaffees später wusste er alles über
ihren Exfreund, der sie verlassen hatten, über ihr verpatztes Studium, über den
Streit den sie mit ihrer Familie hatte und über die diversen anderen Probleme,
wegen derer man sich umzubringen versucht. Er saß da und hörte einfach nur zu,
er merkte, wie sehr Janette es nötig hatte, sich alles von der Seele zu reden
und sei es einem Wildfremden. Noch mehr merkte er es, als sie zwei Stunden
später die Einladung zum Abendessen bei ihm angenommen hatte und immer noch
redete. Sie aßen ein Dosengericht, das Marc noch zu Hause hatte. Er war nicht
der beste Koch aber seiner Gesprächspartnerin schien es nichts auszumachen.


„Weiß du“, unterbrach er ihren Redefluss,
„ich hätte nie gedacht, dass jemand so viel erzählen kann.


„Weißt du“, entgegnete sie, „ich hätte nach
meiner letzten Beziehung nicht gedacht, dass es Männer gibt, die zuhören
können. Danke!“


Marc schaute in ihre braunen Rehaugen und
ohne dass er viel dazu tun musste, berührten sich ihre Lippen. Danach war die
Unterhaltung etwas entspannter, Marc kam sogar dazu, etwas von sich zu
erzählen. Doch obwohl sie soviel von sich und ihren Problemen erzählt hatte,
war er davon überzeugt, nichts von ihr zu wissen. Dennoch fühlte er sich zu der
Unbekannten hingezogen, warum wusste er nicht genau. Er glaubte an keine Liebe
auf den ersten Blick, doch hier fühlte er eine gewisse Affinität, die ihm sehr
angenehm war.


Nach einer Flasche Rotwein und mehreren
weiteren zufälligen Lippenberührungen fiel sein Blick auf die Uhr. Sie hatten
bis halb zwei Uhr nachts geredet und nun überlegte er, wie die Nacht wohl ihr
Ende finden würde.


„Woran denkst du gerade?“, fragte sie
plötzlich und schaute ihn herausfordernd an.


Normal nie um eine Antwort verlegen, zögerte
er nun kurz: „Ich überlegte gerade wie es nun weiter geht.“


„Na, da wüsste ich noch etwas…“





Als er am nächsten Morgen aufwachte, spürte
er ihren warmen Körper an seinem Rücken. Die letzte Nacht hatte ihn überrannt doch
er hatte sie genossen. Langsam drehte er sich um und blickte in ihre geöffneten
Augen.


„Na, schon wach?“


„Ja leider“, entgegnete sie, „aber zum Glück
ist der Morgen noch jung. Du hast doch nichts dagegen, wenn ich deine Dusche
nutze oder?“


„Tu dir keinen Zwang an“, antwortete er,
während sie bereits aufstand und ihm ihre weiche Haut im Sonnenlicht
präsentierte. Er stand ebenfalls auf und während sie duschte, machte er
Frühstück. Er war gerade fertig, als sie vor ihm stand und ihn fragend
anblickte.


„Du machst Frühstück? Für mich?“


„Ja. Bedien dich.“


Sie lächelte und machte sich über die frisch aufgebackenen
Brötchen her. Nachdem sie gestern ununterbrochen geredet hatte, war die nun
eintretende Stille fast schon unheimlich. Er fixierte sie und beobachtete sie
bei dem Versuch ein überladenes Honigbrötchen zu essen, ohne sich mit Honig zu
beschmieren. Als hätte sie seine Blicke gespürt schaute sie auf einmal auf und
grinste. „Das ist nicht so leicht, wie es scheint.“


„Nein, mit dieser Ladung Honig ist es das wirklich
nicht.“


„Du … hör mal, ich fand die Nacht mit dir
unheimlich schön. Aber…“, sie machte eine kleine Pause, er hasste Abers, es kam
selten etwas Gutes. „ich muss ein paar Dinge klären. Dazu sollte ich wohl
nachher gehen.“


„Werde ich dich wieder sehen?“, fragte er
geraderaus.


Sie lächelte verheißungsvoll: „na wenn du es
wünschst, immer.“


„Dann komm doch einfach wieder her, wenn du
deine Dinge geregelt hast“, er hatte zwar eine Vorlesung, aber irgendwie war
ihm das momentan so ziemlich egal. Sie frühstückten zu Ende und als sie zu
ihrer Jacke griff, umarmte sie ihn noch einmal und flüsterte ein „Danke“ in
sein Ohr. Ein letzter Kuss und die schöne Fremde war aus seiner Wohnung
verschwunden.


Er wollte gerade ins Bad zum Duschen gehen,
als er von der Straße quietschende Reifen hörte. Ohne nachzudenken stürzte er
zur Tür und die Treppe hinunter. Auf der Straße angekommen, sah er zuerst einen
kleinen Jungen, der heftig schluchzte und sich das Bein hielt. Dann fiel sein
Blick auf das Auto und die Gestalt, die davor lag. Marc brauchte nicht
nachzusehen, er erkannte die blonde Frau auch so. Rasch eilte er zu ihr, fasste
sie an, doch schon bevor er ihr in die Augen sah, wusste er, dass sie nicht
mehr lebte. Ganz Teilnahmelos tastete er ihren nicht vorhandenen Puls.


Den Autofahrer bemerkte er erst, als dieser
direkt vor ihm stand und ihm die Hand auf die Schulter legte.


„Kennen sie die Frau?“, fragte der Fahrer


Marc saß in die Ferne starrend da und
stammelte nur: „Warum hat sie nur? Warum?“


Der Autofahrer verstand zwar nicht genau, was
er meinte, dennoch entgegnete er: „Der Junge da lief mir vors Auto. Wäre ihre
Freundin nicht dazwischen gesprungen, hätte es wohl ihn getroffen.“


„Meine ... Freundin ...?“, Marc liefen einige
Tränen die Wange herunter. „Meine Freundin“.


Dann stand er auf und schaute sich um, nur um
sich danach in Richtung Hauseingang zu drehen. Traurig, mit Tränen in den Augen
schlurfte er zurück ins Haus; und er wusste nicht mal ihren richtigen Namen.
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BeitragThema: Re: Braune Augen   Do Jan 15, 2009 9:42 pm

Hmm nette Überarbeitung ein naja sagen wir mal positiveres wenn auch nicht positives Ende...
oder hatte ich die Geschichte falsch abgespeichert?
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Meridan
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BeitragThema: Re: Braune Augen   Do Jan 15, 2009 9:58 pm

Mhh, die Geschichte kannst du eigentlich nicht kennen. Die habe ich erst vor kurzem fertiggestellt. Davor hat mehr als die Hälfte gefehlt. Aber ich hatte mal eine ähnliche Geschichte. Blöd nur, das mir das Forum die Formatierung zerschossen hat. Das muss ich bei Gelegenheit mal hinbiegen.
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BeitragThema: Re: Braune Augen   Do Jan 15, 2009 10:07 pm

Glaub bis zum Kaffeetrinken hattest du mal eine Geschichte die SEEHHHHRRR ähnlich war

sie hat sich am ende nur vor die U-Bahn oder so geworfen...
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Meridan
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BeitragThema: Re: Braune Augen   Do Jan 15, 2009 10:18 pm

Da vermischst du zwei Geschichten. Bis zum Kaffeetrinken existierte die Geschichte. Das mit der U-Bahn is ne andere.
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BeitragThema: Re: Braune Augen   Mo Jan 19, 2009 11:55 pm

sicher?
aber okay du musst es wissen sry^^
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